Fußballmuseum, Springe

Das Museum des FC Barcelona ist Geschmackssache. Großflächig ist es, modern und mit viel Multimedia ausgestattet. Vielleicht müssen zeitgemäße Ausstellungen heute so sein, etwas abgedunkelt, steril, irgendwie herzlos. Genau das kann man dem Fußballmuseum Springe nicht vorwerfen, denn hier sind Leute am Werk, die man in die Kategorie Großkreutz, Wilmots oder Lameck stecken würde. Spieler, die alles geben und mit viel Herzblut bei der Sache sind, dafür aber nicht die ganz große Technik versprechen.

Einer von ihnen war Peter Saloga. Auf seinem gesammelten Grundstock basiert das Museum in der Deisterstadt. Als es ihm gesundheitlich nicht mehr so gut ging, übertrug er seine Sammlung auf den Verein Sportsammlung Saloga e. V., der 2003 aus der Taufe gehoben wurde. Am 17. Mai 2004 feierte das Fußballmuseum Springe seine Eröffnung im Dachgeschoss der örtlichen Roten Schule.

Fußballfan zu sein, war sein Leben.

Aus der Traueranzeige Peter Salogas, der im Februar 2018 verstarb

Inzwischen werden 1300 Wimpel, 450 Trikots, 350 Schals und 600 Leitz-Ordner mit Zeitungsartikeln, Tickets und Autogrammkarten auf rund 250 Quadratmetern Gesamtfläche ausgestellt. Der Rundgang beginnt in der Nachbildung von Peter Salogas Fußballkeller, geht über Themenräume wie „Umkleidekabine“ und „Deutsch-deutscher Raum“, bietet aber auch „Heimatsport“ oder „Unsere besten Frauen“. Hannover 96 spielt natürlich eine gewichtige Rolle, zum einen war Saloga treuer Anhänger der „Roten“, zum anderen ist die Landeshauptstadt nur 25 Kilometer vom Standort entfernt. Aktuelle Themen wie Fankultur werden in gesonderten Ausstellungen behandelt.

Enkes Handschuhe als Dachbodenfund

Trotz dieser Kategorisierungen stehen in Springe die Maskottchen der EM 2008 neben einer Glasflasche des FC Barcelona, manchmal fehlt der rote Faden. Überfrachtete Informationstafeln gibt es nicht, in Springe lässt man die Exponate für sich sprechen oder wird mit einer Führung versorgt, die wie der Besuch selbst kostenlos ist. Der Verein lebt von Spenden, wer dies nicht in monetärer Form tun möchte, kann seinen Fußball-Schätzchen in Springe eine neue Heimat bieten. Vieles, was nicht von Saloga selbst kommt, hatte irgendwer noch „auf dem Dachboden rumfliegen“, Matchworn-Handschuhe von Robert Enke zum Beispiel. Die lokalen Vereine wie Hannover 96 und der VfL Wolfsburg zeigen sich spendierfreudig, verhalten sei dagegen der FC Bayern: Ein Trikot für die „Meisterecke“ wird nicht mal eben so gratis aus München geliefert.

Anschrift: Hinter der Burg 1, 31832 Springe

Internet: http://www.fussballmuseum-springe.de

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