Das Brandenburger Tor, den Reichstag und den Fernsehturm hat schon jeder bei einem Berlin-Urlaub gesehen. Wer seine Sehnsucht nach einer „europaweit wohl einmaligen“ (11 Freunde) Sehenswürdigkeit befriedigen möchte, der sollte die Klappflutlichtmasten von Babelsberg besuchen. Die Reise führt mit der S-Bahn vor die Tore der Stadt, zwei Stationen hinter dem Wannsee ist man in der Tarifzone C und in Babelsberg. Als größter Stadtteil Potsdams gehört Babelsberg bereits zum Bundesland Brandenburg.

Vom S-Bahnhof ist es ein knapp ein Kilometer langer Fußweg, der zum fast 11 000 Zuschauer fassenden Karl-Liebknecht-Stadion führt. Das „KarLi“, wie es von den Anhängern genannt wird, wurde 1976 mit einem Spiel zwischen Motor Babelsberg und der DDR-Olympia-Auswahl eingeweiht. Ein herrlich kleines, reines Fußball-Stadion, das nach englischem Vorbild gebaut wurde.

Fußball wird an dieser Stelle bereits seit den zwanziger Jahren gespielt, anfangs noch auf einem Sportfeld. Zu den bekanntesten Protagonisten des Babelsberger Fußballs gehört Sepp Herberger, der 1928/1929 als Trainer an der Seitenlinie des SV Nowawes, einem der zahlreichen Vorgängervereine des SV Babelsberg 03, stand. In der jüngeren Vergangenheit machte der Verein durch eine preisgekrönte Aktion Schlagzeilen: 2014 gründete man die Mannschaft „Welcome United 03“, ein Team, das ausschließlich aus Flüchtlingen besteht. Aushängeschild im Potsdamer Fußball ist aber der Frauen-Bundesligist 1. FFC Turbine Potsdam, der ebenfalls im KarLi  spielt.

Obwohl der Ball ruht und das Saisonende eingeläutet ist, sind die Klappflutlichtmasten bei unserem Besuch ausgeklappt und sehen somit wie normale Leuchter aus, nur eben mit Scharnier. Die Bühnenfigur Heinz Becker hätte wohl gesagt: Deshalb heißt’s auch Klappflutlicht: Weil’s nicht klappt.

Im Innenraum bestach das Stadion mit diesem ganz besonderen Charme der Achtzigerjahre gepaart mit dem Duft der zu erhoffenden Erfolglosigkeit.

Die Wochenendrebellen über ihren Besuch im »KarLi«

Für die Besucher des Flatowturms, der im benachbarten und zum Weltkulturerbe gehörenden Babelsberg Park steht, hat das weitreichende Konsequenzen. Die ausgeklappten Fluchtlichtmasten behindern die Aussicht auf die Stadt. Damit das nicht passiert, können die Masten nach dem Spiel wieder eingeklappt werden. Dies bekommt den Flutlichtmasten aber nicht. Mehrfach mussten die Masten, die ursprünglich grün gestrichen werden sollten, um „ein wenig wie Bäume auszusehen“ (Tagesspiegel), schon repariert werden. Die Kosten trägt dabei der Verein und so werden die Masten regelmäßig zum Politikum.

Zur Provinzposse wurde bereits ihre Installation. Als der SV Babelsberg 2001 in die 2. Bundesliga aufstieg, machten die Bestimmungen des DFB den Bau einer Flutlichtanlage unumgänglich. Die untere Denkmalbehörde, das Landesdenkmalamt und die Schlösserstiftung gingen daraufhin auf die Barrikaden, die Bürgerinitiative „Schönes Babelsberg“ drohte sogar mit einer Klage. Die Baugenehmigung erfolgte unter strengen Auflagen und konnte auch nicht durch den Eilantrag einer Bürgerinitiative gestoppt werden, die unter anderem „gesundheitliche Schäden“ befürchtete.

Die rund zwei Millionen teuren und im April 2002 eingeweihten Klappflutlichtmasten boten in der Folge immer wieder Anlass, vor Gericht zu ziehen. Ob die Masten zwei Meter zu hoch waren, zu nah am Grundstück des Chefs der Bürgerinitiative standen, in der Wohnung eines Professors für eine „optische Aufhellung“ sorgten oder nach Spielende 17 Minuten zu lang strahlten (was für den Verein einen Zwangsmittelbescheid von 255,60 Euro zur Folge hatte). Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch in Zukunft wieder Streit um die Masten geht, ist hoch. Mindestens zwei Meter.

Anschrift: Karl-Liebknecht-Straße 90, 14482 Potsdam

Internet: https://babelsberg03.de/verein/unser-stadion/fakten/ ➚

Klappflutlichtmasten Babelsberg

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