Im Jahr 2018 hatte der MTV Gittelde mit Problemen zu kämpfen. Während Deutschland seinen fünfzehnten Superstar suchte, hielt der kleine Verein aus dem Harz Ausschau nach einem neuen Vorstand. „Wird der MTV Gittelde bald zu den Vereinen gehören, die vor der Auflösung stehen?“, fragte der lokale Harzbote. Und in Gittelde sondierte man krampfhaft den Markt nach willigen Ehrenämtlern, um das drohende Aus zu verhindern.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Sorgen ganz andere. Die Friedenseiche von Gittelde galt nach dem deutsch-französischen Krieg von 1871 als Symbol des Einklangs. Das sahen insbesondere die alten Dorfbewohner so, sie waren stolz auf den Baum. Für die jungen Gittelder war er ein Feindbild, denn der Standort des Baums war ein Problem: Er stand mitten auf dem Platz des MTV. Der Verein fragte bei der Gemeinde nach, stieß aber auf taube Ohren: Die Ratsherren wollten weder den Baum fällen, noch einen neuen Sportplatz zur Verfügung stellen. Und das, obwohl die sogenannten Jenaer Regeln bereits seit 1893 vorsahen, dass das Spielfeld frei von Bäumen und Sträuchern sein muss.

Während es in der Gegenwart an ehrenamtlichem Engagement fehlt, übertrieben es die Gittelder vor siebzig Jahren vielleicht ein klein wenig: In einer lauen Sommernacht im Juni 1949 schritten fünf junge Männer zur Tat. Einer von ihnen bretterte mit dem Motorrad durch die Gassen von Gittelde, um den Lärm zu übertünchen, den die anderen vier machten, als sie die Eiche umlegen wollten. Doch die Säge erwies sich als zu klein, der Stamm als zu dick. Und am Ende wurde der Baum nur von allen Seiten angesägt, um seinen schleichenden Tod einzuleiten.

Mit Erfolg. Noch bevor der Herbst kam, verlor die Friedenseiche ihre Blätter. Ein Jahr später wurde sie vom örtlichen Bauunternehmer entfernt, die Fußballer feierten. „Für uns war das natürlich ein riesiges Fest“, berichtete einer der fünf Täter, Heinz Robbin, 2011 der 11 Freunde, Funk und Fernsehen berichteten über das Ende des Baumes.

Doch Robbin bezahlte damals einen hohen Preis, denn die Baumfäller hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Der vom örtlichen „Alten Krug“ hatte die Übeltäter beobachtet und sie verpfiffen, Heinz Robbin verlor seinen Job bei der Gemeinde. Ein schwarzer Fleck auf der weißen Weste Robbins, ein brauner Fleck erinnerte lange an den Baum auf dem Spielfeld.

Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Der Sportplatz gleicht vielen anderen in Deutschland, ein Zaun könnte heute das verhindern, was vor siebzig Jahren nicht verhindert werden sollte: Eine gesunde Portion ehrenamtliches Engagement.

Anschrift: An der Ziegelei 2, 37534 Bad Grund (Harz)

Sportplatz Gittelde

Sportplatz Gittelde

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