Das Stadionposter gehört seit der ersten „11 Freunde“-Ausgabe zum Inventar des Fußball-Magazins. Erst noch mit Klammern befestigt in der Mitte des Heftes zu finden, liegen die Panoramen jetzt lose bei. Abgelichtet werden die Spielfelder von Reinaldo Coddou H., der zu den Mitbegründern der Zeitschrift gehört und ausgewählte Exemplare im Buch „Fußballtempel“ veröffentlicht hat. Ganze 107 Ausgaben hat es gedauert, bis das Wuppertaler Stadion „Am Zoo“ an der Reihe war. Dabei gibt es mit der Schildwand eine Besonderheit, die sich nur noch im Berliner Olympiastadion wiederfindet. Mit Alleinstellungsmerkmalen und Eigenarten ist der Platz neben dem Zoo generell gut bestückt.

Die Eröffnung 1924 nach nur einem halben Jahr Bauzeit fand in ganz Deutschland Beachtung. Die Lage, die gute Verkehrsanbindung und die Tatsache, dass Leichtathletikstadion, Radrennbahn und Fußballplatz innerhalb eines einzigen Stadions untergebracht waren, sorgten für Lobeshymnen. Nur das Deutsche Stadion in Berlin, das 1934 dem Olympiastadion weichen musste, hatte eine ähnliche Multifunktionalität. Radrennen waren in der Folgezeit wie Fußball- und Leichtathletikveranstaltungen die Hauptattraktion in Elberfeld, aber auch zu Ballonaufstiegen und politischen Großveranstaltungen – Hitler und Goebbels sprachen hier – wurde das Stadion genutzt.

Stadion am Zoo Wuppertal Beckenbauer-Elf

Eintrittskarte vom Spiel der Franz-Beckenbauer-Elf gegen den WSV vom Mai 1984

Ein Brand zerstörte 1932 die Tribüne, den Zweiten Weltkrieg dagegen überstand das Stadion ohne Schäden. 1957 wurde es um eine Flutlichtanlage erweitert. In den Nachkriegsjahren waren es insbesondere Rad- und Motorradrennen, die die Massen in die Arena lockten. Als 1958 ein Manipulationsskandal im Steherrennen – einer Disziplin des Bahnradsports – aufgedeckt wurde, sank das Interesse schlagartig, es wurde nicht mehr in die Radrennbahn investiert und bereits 1960 war sie nicht mehr betriebssicher.

Hochklassigen Fußball sahen 1948 (angeblich) 50 000 Zuschauer beim Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem TuS Neuendorf (heute TuS Koblenz). 42 000 sollen es gewesen sein, als wiederum Kaiserslautern die Berliner Hertha 1957 mit 14:1 wegputzte. Der Wuppertaler SV zog 40 000 Besucher beim DFB-Pokal-Halbfinale gegen den HSV im August 1963 an, 1972 schaffte der WSV selbst den Sprung in die Beletage des deutschen Fußballs, das Stadion wurde bundesligatauglich gemacht. Bereits 1975 folgte der Abstieg, Wuppertal verschwand 1980 nach fünf Jahren 2. Bundesliga im Amateurlager.

Der Bundesliga-Fußball feierte im Stadion Am Zoo bereits 1964 Premiere. Der 1. FC Köln musste sein Heimspiel gegen Braunschweig aufgrund einer Disziplinarmaßnahme in Wuppertal austragen.

Das Stadion verfiel zusehends und wurde erst 1983 durch ein städtisches Gutachten vor dem Abriss bewahrt. Der Denkmalschutz machte es aber zugleich schwer, die Anlage finanziell erträglich zu renovieren. Die Haupttribüne verschlang in den neunziger Jahren bei ihrer Renovierung unter Beibehaltung der historischen Schildwand 28 Millionen DM. Die Asche- und die Radrennbahn wurden überbaut, das Stadion Am Zoo ist mittlerweile ein reines Fußballstadion.

Um die Haupttribüne näher ans Spielfeld zu rücken, wurde der Platz einfach um vier Meter verbreitert. In einer der niederschlagreichsten Städte der Republik ist ein Örtchen unter der Tribüne aber nicht gleichbedeutend mit mollig-warmem Fußballgefühl: „Was sich scheinbar nie ändern wird, ist, dass es auf den Rängen unglaublich zieht“, konstatiert WSV-Legende Günter Pröpper in der 11 Freunde. Die Redakteure selbst bewerten das Stadion als ein „beachtenswertes historisches Ensemble“ mit einem Innenraum, der aussieht wie „ein nicht so recht zueinander passender Flickenteppich“. Mit Sicherheit ist das Stadion am Zoo ein Stadion, das einmalig ist.

Anschrift: Hubertusallee 4, 42117 Wuppertal

Internet: https://www.wsv1954.de/stadionumbau ➚

Stadion am Zoo Wuppertal

Stadion am Zoo Wuppertal

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