Der bekannteste Sohn der Stadt ist der Doppelkorn. Dabei muss man sich Nordhausen gar nicht schön saufen, die Stadt am Südrand des Harzes hat viele nette Ecken. Allein der Albert-Kuntz-Sportpark ist einen Besuch wert. Der Platz bietet viele Gründe, die Reise in den Norden Thüringens anzutreten – und ist ein echter Geheimtipp.

Der Weg zum Stadion – in Karlsruhe hat er es immerhin in die Hall of Fame der 11 Freunde-Sehenswürdigkeiten geschafft – gehört zu den aufregendsten Momenten im Fußball. In Nordhausen bieten sich dafür zwei herrliche Möglichkeiten: Einerseits die seit 1900 aktive Straßenbahn, die in der unmittelbaren Nähe des Stadions hält; andererseits der Gang zu Fuß, gerade wie an der Schnur gezogen und landschaftlich durchaus hübsch anzusehen. Wer von der Romantik nicht berührt wird, der kann auch mit dem Auto anreisen. Parkplätze gibt es rund um das im August 1923 (als Wacker-Sportpark) eingeweihte Stadion mehr als genug.

Tischdecke Motor Nordhausen

Tischdecke vom Klubhaus am Albert-Kuntz-Sportpark aus DDR-Zeiten

Spätestens vor dem Albert-Kuntz-Sportpark, der nach dem 1945 im (3,5 Kilometer entfernten) Konzentrationslager Mittelbau-Dora ermordeten Widerstandskämpfer benannt ist, dürfte aber selbst Anti-Romantikern das Herz aufgehen. Das ehemalige Vereins-Klubhaus, das „Hotel am Stadtpark“, lädt zum Verweilen ein, direkt davor steht mit dem alten Kassenhäuschen aus dem Jahr 1923 ein echter Knaller. Es dient als Abstellraum und wird von der Deutschen Stadionansichtskarten Sammlervereinigung als „kultig“ bezeichnet. Diesen Titel hat auch die Anzeigetafel verdient, die mit ihrer Glühbirnen-Technik Seltenheitswert besitzen dürfte.

Sie steht auf der Liste der renovierungsbedürftigen Gegenstände. Wie die Toilettenanlage, ein Turm für Fernsehübertragungen und vieles mehr. Das Stadion des Regionalligisten soll in naher Zukunft für höhere Aufgaben fit gemacht werden.
Die letzte große Generalüberholung wurde ab 1980 vollzogen, beinhaltete unter anderem den Bau von Sitz- und Stehplatztribünen, so dass seither 8 000 Besucher Platz finden. Immerhin 5 400 waren es beim Olympia-Qualifikationsspiel zwischen der DDR und den Niederlanden im September 1987, 1997 kamen zum DFB-Pokal gegen den HSV 7 500 Zuschauer. Der Rekord, die 10 000-Besucher-Marke, wurde 1953 gegen Dynamo Dresden und 1967 gegen Rot-Weiß-Erfurt geknackt.

Die Renovierung wird mit zwei Millionen Euro angesetzt und sei, so liest man, dringend nötig. Damit der Albert-Kuntz-Sportpark ein Geheimtipp bleibt, sollte man den Charme nicht wegmodernisieren.

Anschrift: Grenztriftweg, 99734 Nordhausen

Internet: http://www.wacker90.de/verein/stadion/ ➚

Albert-Kuntz-Sportpark Nordhausen

Albert-Kuntz-Sportpark Nordhausen

Albert-Kuntz-Sportpark Nordhausen

Albert-Kuntz-Sportpark Nordhausen

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