Im Dokumentarfilm „Warum halb vier?“ erzählt der Schauspieler Joachim Krol von den Leiden, die sein Vater beim Untergang des SC Westfalia Herne ertragen musste. Der Niedergang des Vereins hatte ihm zugesetzt, allen voran aber, „dass das Stadion nicht mehr so voll war“.

Wer sich im Westfaliastadion auf die alte Haupttribüne setzt, der wird verstehen, warum Krols Vater eine enge Bindung zu dem Platz hatte: Das Stadion am Schloss Strünkede ist eine Anlage, die Das große Buch der deutschen Fußballstadien als „Feld der Träume“ bezeichnet und die diesem Titel mehr als gerecht wird. Nicht umsonst ist sie bis heute aufgrund des historischen Ambientes – der Schlosspark befindet sich gleich nebenan – bei vielen Groundhoppern sehr beliebt. Auch ohne Massen und ohne Bewegung auf dem Rasen wird man hier gepackt. Wie wird es hier mit vollen Rängen gewesen sein?

Im September 1934 wurde das Stadion nach sechs Jahren Bauzeit mit einem Derby gegen Schalke 04 eingeweiht. Nach dem Krieg beschlagnahmten die Briten die Kampfbahn, sämtliche Sitzgelegenheiten fielen der Bevölkerung zum Opfer, die Heizmaterial benötigte.

In den fünfziger Jahren entstand eine neue Tribüne, die Kurven wurden nach und nach aufgeschüttet. Im Gruppenspiel um die deutsche Meisterschaft fanden 35 000 Zuschauer Platz am Schloss Strünkede und sahen ein 3:4 gegen den HSV. Die Westfalia erlebte damals ihre beste Zeit, Tilkowski stand im Tor, Leute wie Helmut Benthaus wurden zu Nationalspielern. Bis heute bedeuten die 35 000 den Zuschauerrekord des Stadions, das inzwischen mehrfach umgetauft wurde (Abisol-Stadion, German Flavours Park) und heute Real-Arena heißt.

Beim SC Westfalia Herne spielten zwei Akteure, die später in anderer Mission Bekanntheit erlangten: Regisseur Sönke Wortmann (»Das Wunder von Bern«, »Deutschland. Ein Sommermärchen«) und Michael Steinbrecher (von 1992 bis 2013 Moderator im Aktuellen Sportstudio) kickten im Stadion am Schloss Strünkede.

Mitte der siebziger Jahre wurde das Stadion saniert, weil der VfL Bochum ein Ausweichquartier benötigte. Westfalia Herne schrieb in dieser Zeit aber auch an seiner eigenen Vereinsgeschichte, die eng mit dem Namen Erhard Goldbach in Verbindung stand. Die größenwahnsinnige Vereinspolitik des Mäzens hatte zur Folge, dass der Westfalia 1979 die Lizenz für die 2. Bundesliga entzogen wurde: Goldbach hatte Steuerschulden in Höhe von 175 Millionen DM angehäuft. Herne wanderte in die Oberliga Westfalen und spielte dort bis 1990, ehe es bis in die sechste Liga herunter ging. Mittlerweile ist man in der Oberliga Westfalen zuhause.

Anschrift: Westring 260, 44629 Herne

Westfaliastadion am Schloss Strünkede

Westfaliastadion am Schloss Strünkede

Westfaliastadion am Schloss Strünkede

Westfaliastadion am Schloss Strünkede

Westfaliastadion am Schloss Strünkede

Westfaliastadion am Schloss Strünkede

Westfaliastadion am Schloss Strünkede

Westfaliastadion am Schloss Strünkede

Westfaliastadion am Schloss Strünkede

Westfaliastadion am Schloss Strünkede

Westfaliastadion am Schloss Strünkede

Westfaliastadion am Schloss Strünkede

Westfaliastadion am Schloss Strünkede

Westfaliastadion am Schloss Strünkede