Unfallort von Lutz Eigendorf, Braunschweig

„Muss der Todesort von Lutz Eigendorf wirklich Teil dieser Liste sein?“, fragt ein User im 11 Freunde-Forum und spricht damit die Nummer 14 der “99 Orte, die Fußballfans gesehen haben müssen” an. Sicherlich ein Streitfall, aber eben auch ein Ort deutsch-deutscher Fußballgeschichte.

Lutz Eigendorf, DDR-Nationalspieler, der „ostdeutsche Beckenbauer“, setzt sich im Frühjahr 1979 bei einem Freundschaftsspiel seines BFC Dynamo Berlin beim 1. FC Kaiserslautern in den Westen ab. Nach einjähriger Sperre spielt er für die roten Teufel, ehe 1982 ein Wechsel zu Eintracht Braunschweig folgt. Hier wird er, wie auch schon bei seiner ersten Station, streng von der Stasi überwacht.

2,2 Promille – von vier Gläsern Bier

Nach einem verlorenen Heimspiel im März 1983 gegen Bochum landet Eigendorf nach einem Abstecher in seinem Stammlokal und einer Stippvisite zuhause in der Kneipe “Zum Cockpit”. Dort trifft er sich mit seinem Fluglehrer und trinkt, wie auch schon nach dem Spiel, zwei kleine Gläser Bier. Um ca. 22:00 Uhr verabschieden sich beide, knapp eine Stunde später erhält die Polizei Braunschweig einen Anruf. Ein schwarzer Alfa Romeo ist im Braunschweiger Stadtteil Querum von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Dem Fahrer, Lutz Eigendorf, werden 2,2 Promille nachgewiesen. Zwei Tage später stirbt Eigendorf infolge seiner Kopfverletzungen. Es ist nicht nur die ungewöhnlich hohe und für Eigendorf untypische Promillezahl, die auf einen herbeigeführten Unfall hindeutet; anonym wird bestätigt, dass Lutz Eigendorf Opfer eines Verbrechens wurde.

Um so einen hohen Alko­hol­wert zu errei­chen, hätte er inner­halb kür­zester Zeit vier­ein­halb Liter Bier oder zwei Liter Wein trinken müssen. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vor­stellen.

Andreas Holy in einem Interview mit der »11 Freunde«

Fast auf den Tag genau 35 Jahre nach dem Unfall und dem Tod Eigendorfs deutet in Braunschweig-Querum nichts mehr auf die Geschehnisse hin. Hier an der Forststraße in der Kurve zwischen Habichtweg und Dierckestraße gibt es kein Kreuz, keine Gedenktafel – nur ein Hinweisschild auf die hier ansässige Autolackiererei.

Die Ecke an der Abzweigung war zwar als Unfallschwerpunkt bekannt, hier hatte es auch schon Tote gegeben. Meist jedoch wurden sie durch Abbiegefehler verursacht. Die Kurve selbst hingegen bot nur mäßig tödliche Hindernisse für Raser, die von der Straße abkamen. 

Bedenken des zuständigen Juristen Stefan Laskowski in der »Thüringer Allgemeinen«

Die Straße, die zur Kurve führt, könnte auch eine Landebahn für Flugzeuge sein, so lang und gerade wie sie ist. Sie lädt zur Raserei ein. Aber ob das und der Promillegehalt von 2,2 die Gründe für den Tod waren? „Bei Eigendorfs waren’s 95% die dafür sprechen, dass er umgebracht wurde“, sagte der frühere Bundesliga-Trainer Jörg Berger in einem Interview. Die Staatsanwaltschaft sieht das bis heute anders: Nach ihren Aussagen gibt es keine Anzeichen für ein Fremdverschulden.

Anschrift: Forststraße 27, 38108 Braunschweig

Unfallort von Lutz Eigendorf, Braunschweig
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