Die Schotten dürfen heute entscheiden, ob sie unabhängig sein wollen. Es gab schon uninteressantere Tage auf dem Weg zu den Fußball-Sehenswürdigkeiten der Republik und das Radio kennt verständlicherweise nichts anderes als das „independence referendum”. Je näher man dem Ausflugsziel, der Autostadt Zwickau, kommt, desto mehr läuft ein anderes Thema den Schotten den Rang ab.

Der Stadionneubau von Zwickau kommt heute wieder aufs Tableau. Am Ende des Tages besuchten einige hundert Anhänger des Vereins eine Stadtratssitzung, gaben über 14 000 Unterschriften ab und wahrten damit die Hoffnung, dass es doch noch etwas wird mit dem Neubau. Es ist eine Geschichte von kommunalpolitischem Klüngel und natürlich auch von fehlendem Geld.

Im Zentrum steht dabei das Westsachsenstadion, das im Jahre 1942 eröffnet und von Nazi-Häftlingen erbaut wurde. Die NS-Architektur findet sich heute noch im Stadionturm wieder, der aus Granitsteinen gemauert wurde und das Wahrzeichen des Stadions ist. Dort, wo früher Reichsadler und Hakenkreuz hingen, prangt heute das riesige Schild mit der Aufschrift „Westsachsenstadion“. Der Balkon ist dagegen erhalten geblieben.

Sachsenring Zwickau

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„Es schmiegt sich an eine gewaltige Halde, Nachlass des Steinkohleabbaus in der einstigen Bergbaustadt“, schreibt Das große Buch der deutschen Fußball-Stadien über den als Südkampfbahn eröffneten Platz. Aus diesem Grund wird das Westsachsenstadion, das nach dem Zweiten Weltkrieg den Namen „Georgi-Dimitroff-Stadion“ erhielt, im Volksmund auch heute noch als „Halde“ bezeichnet.

Diese Besonderheit machte auch lange Zeit den Clou des Stadions aus. Dort, wo am Westhang die Stehränge aufhörten, nutzten die Zuschauer den Teil der Bergbau-Halde als zusätzliches Platzangebot. Stehstufen gab es keine, nur vereinzelte Wellenbrecher, die heute noch vorhanden sind. Die Besucherrekorde im Pokalsieger-Wettbewerb 1975/76 mit rund 40 000 Menschen (in einem 15 000 bis 20 000 Plätze fassenden Stadion!) kamen so zustande.

Das war die beste Zeit des Vereins, der 1950 als Horch Zwickau erster ostdeutscher Fußballmeister wurde. Nacheinander kegelte man (als Sachsenring Zwickau) Panathinaikos Athen, den AC Florenz und Celtic Glasgow aus dem Wettbewerb, ehe man am späteren Titelträger RSC Anderlecht scheiterte. Unter dem bis heute erhaltenen Namen FSV Zwickau erlebte der Verein in den Neunzigern vier Zweitligajahre, nach dem Abstieg 1998 ging es bis in die Landesliga hinunter. Zwei Insolvenzen hat man hinter sich, gegenwärtig spielt man in der dritten Liga.

Bereits unmittelbar nach der Wende wurden die Tribünen durch Stahlrohre ersetzt, Stadionwelt.de schrieb von einem Zustand „zwischen Bruchbude und Provisorium“. Erst 2010 wurde mit dem Umbau des Westsachsenstadions begonnen, der ein Jahr später wieder gestoppt wurde. Neue Gutachten hatten ergeben, dass der Umbau doppelt so teuer werden würde. Man änderte die Pläne, machte das Westsachsenstadion für insgesamt 5,5 Millionen Euro breitensporttauglich und wollte das Geld in ein neues Stadion investieren. Für dieses neue Stadion kämpft man in Zwickau bis heute.

Die Schotten entschieden sich mit einer Mehrheit von 55,3% gegen die Unabhängigkeit. Das Thema ist damit für Jahrzehnte vom Tisch. Der „Stadionnichtbau zu Zwickau“ (11 Freunde) wird dagegen auch in der Zukunft eine heiße Kiste bleiben.

Anschrift: Geinitzstraße 22, 08056 Zwickau

Internet: https://www.zwickau.de/de/…/westsachsenstadion.php ➚

Westsachsenstadion Zwickau

Westsachsenstadion Zwickau

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