Bis zur Saison 1997/1998 gehörte der 1. FC Köln fest zum Inventar der Bundesliga, war Gründungsmitglied, ihr erster Deutscher Meister und Doublesieger 1978. Als Lukas Podolski im November 2003 das erste Mal für die Profimannschaft des 1. FC Köln traf, stand der Verein auf dem letzten Tabellenplatz der 1. Bundesliga. Am Ende der Spielzeit stieg der Effzeh mit der bis dahin schlechtesten Punkteausbeute der Vereinsgeschichte ab. Es war der dritte Abstieg seit 1998, der dritte Abstieg binnen sieben Jahren.

Die Situation im deutschen Fußball war zu Beginn der Nuller-Jahre nicht weniger prekär. Der Vizeweltmeister-Titel in Japan und Südkorea täuschte nur kurzzeitig über das schlechte Abschneiden bei der EM 2000 hinweg. Sinnbildlich für die Problematik war die Nominierung des 39-jährigen Lothar Matthäus, der bei der Europameisterschaft bei allen drei Vorrunden-Partien auf dem Feld stand. Dem deutschen Fußball fehlte es schlicht und ergreifend an Nachwuchs.

Lukas Podolski war gewissermaßen zur besten Zeit am allerbesten Ort. Die kölsche Fußballseele lechzte nach einem Alaaf der Hoffnung und fand es in Lukas Podolski, einem Spieler mit genialem Torinstinkt und einem unglaublichen linken Huf. Podolski erzielte nicht nur Tore, er erhob das Toreschießen zu einer Kunstform, wurde 13 Mal zum Torschützen des Monats gewählt. Was Podolski für Köln war, war er (zusammen mit Bastian Schweinsteiger) auch für Fußball-Deutschland: Erstmals wurde mit Podolski ein Zweitligaspieler für ein großes Turnier nominiert.

Dass er nach seinem Intermezzo beim FC Bayern wieder zurück nach Köln wechselte, festigte seinen Kultstatus in der Domstadt. Zwar konnte Podolski den fünften Kölner Abstieg 2012 nicht verhindern, die Transfererlöse aus dem Verkauf nach London retteten den Verein aber (mutmaßlich) vor der Insolvenz.

Die Liebe zum Fußball ist wie zu Familie und Frau. Die ist immer da.

Lukas Podolski

Man kann den Eindruck gewinnen, dass er danach rastlos war, in London nicht richtig glücklich wurde, auch nicht bei Inter Mailand oder in Istanbul. Mit seiner großen Liebe aus Köln spielte er meistens um den Klassenerhalt, der Druck lag oft genug und einzig und allein bei Podolski. Irgendwann in dieser Zeit oder unmittelbar nach der Rückkehr aus München verlor Podolski seine Lockerheit, vielleicht ist er auch einfach erwachsener geworden. Dass er im Vorfeld der WM 2014 mit starken Trainingseindrücken auf einen Kaderplatz drängte, vergaß die Medienlandschaft spätestens nach dem Gruppenspiel gegen die USA, am Ende wurde Podolski oft als Maskottchen verspottet.

Vielleicht wirkt er deshalb ein Stück weit unvollendet, sofern jemand mit 130 Länderspielen überhaupt unvollendet wirken kann. Vielleicht hätte er sich mit etwas Geduld beim FC Bayern durchgesetzt und hätte ähnlich viele Pokale im Schrank wie Bastian Schweinsteiger. Podolski wurde zum Verhängnis, was man heute meist vergeblich sucht: Die Verbundenheit zu seinem Herzensverein.

Die fußballerischen Wurzeln Podolskis liegen 30 Kilometer westlich von Köln in Bergheim, einer 60 000-Einwohner-Stadt, in der Podolskis Eltern heute noch wohnen. Mit einer Großspende ermöglichte der gebürtige Gliwicer den Ausbau des Bergheimer Stadions, das seit November 2010 den Namen „Lukas-Podolski-Sportpark“ trägt. Podolski hat seine Wurzeln nie vergessen, in Bergheim ist man ihm bis heute dankbar dafür.

Anschrift: Sportparkstraße 3, 50126 Bergheim

Lukas-Podolski-Sportpark Bergheim

Lukas-Podolski-Sportpark Bergheim

Lukas-Podolski-Sportpark Bergheim

Lukas-Podolski-Sportpark Bergheim

Lukas-Podolski-Sportpark Bergheim

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