Das RB Leipzig der neunziger Jahre hieß Tennis Borussia Berlin. Mit dem Argument der fehlenden Tradition konnte man der 1902 gegründeten Borussia zwar nicht kommen, aber das Invest der Göttinger Gruppe war vielen Fußballfans ein Dorn im Auge. „TeBe“ sollte eine profitable Tochterfirma des niedersächsischen Finanzdienstleisters werden und dafür von der Regionalliga bis in das internationale Geschäft emporsteigen. Namhafte Bundesligaspieler wechselten in die dritte Liga, die Bosse der Göttinger Gruppe nahmen leitende Vorstandspositionen ein. „Tennis Borussia wurde damit zunehmend zur Projektionsfläche aller Ängste vor einer Kommerzialisierung des Fußballs“, wie die 11 Freunde erklärt.

TeBe gelang der Aufstieg in die 2. Bundesliga und fast sogar der Durchmarsch in die erste Liga, aber im Jahr darauf geriet die mit Spitzenspielern gespickte Mannschaft in den Abstiegskampf. Sportlich hielt man die Klasse, scheiterte aber im Lizenzierungsverfahren an den Machenschaften der Göttinger Gruppe, die mit dem Vorwurf des Anlagebetrugs in Verbindung gebracht wurde. Tennis Borussia verschwand aus dem Profifußball und pendelt seither zwischen der vierten und sechsten Liga.

Es ist also nicht der Verein mit den lila-weißen Vereinsfarben, der ins Mommsenstadion einlädt. Es ist auch nicht die Gedenktafel an der Tribüne, die den ehemaligen TeBe-Spieler und –Trainer Sepp Herberger ehrt. Das Mommsenstadion gehört zu den vier Spielstätten des olympischen Fußballturniers von 1936 und hat auf diesem Weg Einzug in diese Liste gefunden.

Als die erste Partie der Propaganda-Spiele im Mommsenstadion angepfiffen wurde, war der 1930 eröffnete Platz gerade einmal sechs Jahre jung. Herzstück war schon damals die Tribüne, die 1934 aus Kostengründen an das Mommsen-Gymnasium vermietet werden musste. In diesem Zuge erhielt das Stadion, das bis dahin SCC-Stadion hieß, seinen heutigen Namen. Etwas weniger als 40 000 Plätze bot das „Mommse“ damals, davon 36 000 Stehplätze.

Als TeBe Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg ins Mommsenstadion einzog, waren 75 Prozent der Stadionanlage zerstört. Die Kapazität wurde verringert, fortan fanden nur noch 18 000 Zuschauer Platz (heute knapp 12 000). Für die Spiele der Borussia reichte das locker aus, selbst zu der vermeintlich goldenen Zeit unter der Göttinger Gruppe strömten nicht gerade Massen ins „Mommse“. Richtig heimisch fühlten sich die TeBe-Fans in der Vergangenheit eh nie an der Waldschulallee, die Anhängerschaft unterstützte Umzugspläne in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark und wünscht sich schon seit Jahren eine Rückkehr ins Poststadion.

Wer auf den Spuren des olympischen Fußballturniers wandeln möchte, der muss neben dem Mommsenstadion das Berliner Olympiastadion und eben jenes Poststadion besuchen. An die vierte Spielstätte, den Hertha-Platz am Gesundbrunnen, erinnern dagegen nur noch Denkmäler und der Bierbrunnen.

Anschrift: Waldschulallee 34–42, 14055 Berlin

Mommsenstadion Tennis Borussia Berlin

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