Die Geschichte des 1904 gegründeten SC Freiburg beginnt eigentlich im Jahr 1991, genauer gesagt mit der Verpflichtung eines Oberstudienrats für Geschichte, Französisch und Sport. Der SC Freiburg war bis dahin ein festes Mitglied der 2. Bundesliga, sein bester Torschütze war Jogi Löw, der in 252 Zweitligaspielen 81 Tore erzielte, aber damals nicht ansatzweise den Bekanntheitsgrad von heute genoss.

Als Löw schon seinen Karriereherbst in der Schweiz erlebte, übernahm der Pädagoge Volker Finke den SC Freiburg, „mit Brilli im Ohr und selbstgedrehten Zigaretten“, wie Christoph Biermann in Wie ich einmal vergaß, Schalke zu hassen schreibt. Finke verpasste in seinem ersten Jahr knapp den Aufstieg, der ihm in der darauffolgenden Saison gelang. Grundlage des Erfolgs war eine defensive Ausrichtung ohne Libero, die ball- und nicht (wie damals üblich) mannorientiert agierte.

„Als der Vorteil einer besseren Defensivstrategie zu verblassen begann“, heißt es in Biermanns Die Fußball-Matrix, „verbreiterte der Club erneut seine Wissensbasis, indem er in abgelegenen Fußballmärkten in afrikanischen und osteuropäischen Ländern wie Mali, Burkina Faso oder Georgien, die von den Scouts großer Klubs nicht mehr besucht wurden, nach Talenten fahndete“. Es war die Zeit, in der Freiburg mit Kobiashvili, Tskitishvili und Iashvili die „Willis“ für sich entdeckte. Parallel dazu investierte der SC Freiburg mehr als 20 Millionen DM in eine Fußballschule, um auf eigene Talente zurückgreifen zu können. Im Oktober 2000 wurde mit dem Bau begonnen, ein knappes Jahr später wurde die Freiburger Fußballschule auf dem Gelände des Möslestadions eröffnet.

Der SC Freiburg ging diesen Schritt, bevor er zur Pflicht wurde: „Ab der Saison 2001/2002 müssen die Vereine der Bundesliga im Rahmen des Lizensierungsverfahrens die Existenz eines Leistungszentrums für den Juniorenfußball nachweisen“, beschloss der DFB kurz vor der Europameisterschaft 2000, offenbar in dem Bewusstsein, dass das Turnier in Belgien und den Niederlanden in die Hose gehen würde. „Sie haben keine neuen Talente. In den letzten acht Jahren ist nicht ein einziger zukunftsträchtiger deutscher Spieler hervorgekommen“, wusste Pele um das Problem des deutschen Fußballs. Bezeichnend war, dass der fast 40-jährige Lothar Matthäus während der EM 2000 die Position des Liberos bekleidete, als der SC Freiburg bereits seit rund zehn Jahren auf den freien Mann verzichtete.

Als eine Art Leuchtturm des deutschen Fußballs war das Nachwuchsleistungszentrum des SC Freiburg Orientierungshilfe für viele Vereine, die finanziell ganz andere Möglichkeiten hatten. „Was die Freiburger machen, ist richtungsweisend“, sagte Uli Hoeneß bei der Einweihung der Freiburger Fußballschule. Mittlerweile hat der FC Bayern rund 100 Millionen Euro in den FC Bayern Campus gesteckt, auf 1,5 Milliarden Euro beziffert die DFL die Gesamtinvestitionen aller 36 deutschen Profivereine in den letzten zwanzig Jahren.

Der SC Freiburg gehört zu den Top 25 des deutschen Fußballs. Viermal stieg der Verein seit 1993 ab, um in der Regel gleich wieder aufzusteigen. Die Spieler aus den eigenen Reihen spielen dabei eine wesentliche Rolle: „Die Fußballschule bleibt das Fundament, an das wir glauben“, sagte Freiburgs Jochen Saier im März 2017 der Badischen Zeitung, auch wenn er weiß, dass „es nicht in jedem Jahr [funktioniert], einen Bundesligaspieler rauszubringen“. Dennoch ist die Durchlässigkeit außergewöhnlich hoch, aus der Fußballschule gingen eine ganze Reihe Bundesliga- und sogar Nationalspieler hervor, Dennis Aogo, Oliver Baumann, Daniel Caligiuri, Ömer Toprak, Matthias Ginter oder Sascha Riether sind die bekanntesten.

Dabei fällt dem SC Freiburg die Vorreiterschaft von einst etwas auf die Füße, in der Fußballschule wird jeder Winkel genutzt, langsam wird es eng. Tobias Schätzle, Organisatorischer Leiter der Schule, sagt uns bei unserem Besuch: „Wenn wir jetzt nochmal neu bauen würden, wüssten wir, was wir anders machen würden“. Das Geld liegt im Schwarzwald nach wie vor nicht auf der Straße, ein Um- oder Ausbau ist keine Selbstverständlichkeit. Dazu werben sich Vereine gegenseitig Jugendspieler ab, wie der Sportliche Leiter Martin Schweizer im Südkurier erklärt: „Einige Nachwuchsleistungszentren sind da sehr aggressiv unterwegs“, berichtet er, um von dem Fall eines Zwölfjährigen zu erzählen, der jetzt von einem der Freiburger Kooperationsvereine zu einem „großen Club“ wechselt.

Die Freiburger müssen also weiter ihrer Zeit voraus sein. Und kreativ. „Der Fußball-Bundesligist aus dem Breisgau achtet bei Neuverpflichtungen in besonderem Maße auf die soziale Kompetenz seiner Spieler“, schrieb die Stuttgarter Zeitung im März 2018. Vielleicht liegt das Geheimnis aber auch darin, dass man mit einem Trainer auch mal absteigt, um wieder mit ihm aufzusteigen. So oder so: Irgendwas machen sie in Freiburg anders.

Anschrift: Waldseestraße 75, 79117 Freiburg im Breisgau

Internet: https://www.scfreiburg.com/fussballschule ➚

Fußballschule Freiburg

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