Wiege des deutschen Fußballs, Braunschweig

„Der ganz große Traum“ heißt der Film, der das Wirken von Konrad Koch porträtiert. Nach einem Studium in Oxford bringt der Lehrer bei seiner Rückkehr den Fußball mit nach Braunschweig und vermittelt seinen Schülern über den Sport die englische Sprache. Die Geschichte wird von Regisseur Sebastian Grobler sehr dehnbar und „frei nach wahren Begebenheiten“ erzählt: Konrad Koch war nie auf der Insel und unterrichtete auch nie die englische Sprache.

Wer realitätsnähere Luft der ersten Stunde atmen möchte, der kann in Braunschweig die „Wiege des deutschen Fußballs“ (11 Freunde) besuchen. Gleich drei Sehenswürdigkeiten laden ein, wahren Pioniergeist zu entdecken.

Das Martino Katharineum

Das Martino Katharineum wurde 1415 gegründet. Zu den berühmtesten Schülern des Gymnasiums zählt Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der das Lied der Deutschen schrieb. Ein Jahr nach von Fallerslebens Tod gründete Konrad Koch 1875 mit seinen Schülern den ersten deutschen Fußballverein. Analog zum Film verfolgte Koch damit das Ziel, neben sportlicher Ertüchtigung auch Disziplin und Teamgeist zu vermitteln. Die Filmaufnahmen selbst fanden nicht in Braunschweig, sondern im Gymnasium im Schloss Wolfenbüttel statt.

Der kleine Exerzierplatz

Das erste Spiel auf deutschem Rasen fand bereits ein Jahr vor der Vereinsgründung am 29. September auf dem kleinen Exerzierplatz statt. Kochs Kollege August Hermann hatte einen (Rugby-)Ball aus England besorgt, zwei Schulklassen traten ohne Ankündigung und große Aufmerksamkeit gegeneinander an. Während die Anfänge noch von freiem Spiel geprägt waren, schrieb Konrad Koch 1875 die ersten Normen nieder, die sogar eine Abseitsregel beinhalteten.

Bei Einrichtung des Spielplatzes ist Sorge zu tragen, dass kein Schüler gegen den Ostwind anzulaufen hat.

Aus Konrad Kochs Regelwerk

Heute stehen in der Pockelsstraße mit dem Naturhistorischem Museum und dem Haus der Wissenschaft geschichtsträchtige Gebäude, die als beispielhaft für die spätexpressionistische Architektur der NS-Zeit gelten. An Koch und die Geburtsstunde des deutschen Fußballs erinnert eine BLIK-Gedenktafel (Braunschweiger Leit- und Informationssystem für Kultur), die zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 aufgestellt wurde.

Konrad Kochs Wohnhaus

Nur wenige Meter von hier entfernt – in der Schleinitzstraße – stand Konrad Kochs Wohnhaus. Das Haus wurde im Krieg zerstört, dafür findet man an gleicher Stelle das Studentencafé „Herman’s“. Es lädt mit seiner Schönheit zur Muße ein, vielleicht mit guter Literatur – “Der ganz große Traum” gibt es auch als Buch.

Anschrift: Martino Katharineum, Breite Straße 3-4, 38100 Braunschweig | Haus der Wissenschaft, Pockelsstraße 11, 38106 Braunschweig | Schleinitzstraße 18, 38106 Braunschweig

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