Ohne behaupten zu können, dass ich München kenne, aber München lernte ich erst kennen, als ich zu Fuß durch Giesing zog und mir Schwarzenbecks Kiosk und Beckenbauers Geburtshaus ansah. Daher sollte der Anreiz, Berlin zu Fuß zu entdecken und die Stadt jenseits ihrer Hotspots kennenzulernen, groß sein, auch wenn der Marschiererei irgendwo Grenzen gesetzt sind. Unsere Tour konzentriert sich dabei auf vier Orte, die sich mit Olympia 1936 im Allgemeinen und den Spielstätten der olympischen Fußballspiele im Speziellen beschäftigten.

Erinnerungen beim Frühstücken: Das Stadion am Gesundbrunnen

Die Route beginnen wir mit einer Fahrt zum Bahnhof Gesundbrunnen und einem Frühstück im Bierbrunnen an der Plumpe. Die erste Mahlzeit des Tages unterscheidet sich hier nicht von der in einer Jugendherberge: Einfache Brötchen, ein Kaffee, Marmelade aus der Plastikpackung. Genau das zeichnet den Bierbrunnen aus: Er ist profan. Die Hertha-Kneipe erinnert (wie die Skulpturen in der Bellermannstraße 64-70 und in der Behmstraße 38-42) an den Anfang der 1920er-Jahre erbauten und in den 1970er-Jahren abgerissenen Hertha-Platz am Gesundbrunnen, hier wurden drei Spiele des Olympischen Turniers ausgetragen.

Hitlers einziges Fußballspiel: Eine deutsche Niederlage im Poststadion

Die Frühstücks-Kalorien verbrennt man am besten mit einem Spaziergang (ca. 45 Minuten) zur zweiten Spielstätte, dem Poststadion in der Lehrter Straße. Hier trug die Mannschaft des Deutschen Reichs ihre Spiele aus, hier sah Hitler das einzige Fußballspiel seines Lebens: Eine deutsche Niederlage gegen Norwegen vor 55 000 Zuschauern. Solche Massen kann das Poststadion heute nicht mehr beherbergen, das alte Fassungsvermögen lässt sich in Form wildbewachsener Wellenbrecher aber noch gut erahnen.

Olympiasieger Italien spielte im „Mommse“

Ein kleiner Fußweg ist erforderlich, um einen der umliegenden Bahnhöfe zu erreichen: Gut 15 Minuten läuft man zum Berliner Hauptbahnhof, als Alternative bietet sich die Bus-Linie 123 an. Vom Hauptbahnhof fährt die S9 Richtung Spandau zur Messe Süd, zehn Fußminuten später man mit dem Mommsenstadion die dritte Spielstätte der Olympischen Spiele von 1936. Die rund 40 000 Plätze füllten sich während des Turniers zu maximal 20 Prozent, u. a. beim Spiel des späteren Titelträgers Italien gegen die Auswahl Japans. Eine Gedenkplatte an der Tribüne erinnert an Sepp Herberger, der hier sowohl an der Seitenlinie als auch auf dem Spielfeld stand. In unmittelbarer Nähe zum Mommsenstadion stand früher die Deutschlandhalle, die ebenfalls Austragungsort der Olympischen Spiele (u. a. für Ringen und Boxen) war. Die Deutschlandhalle wurde nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut und 2011 abgerissen.

Finalstätte Olympiastadion

Die Halbfinal- und Finalspiele fanden 1936 im Olympiastadion statt, das rund 35 Gehminuten oder knapp 15 S-Bahn-Minuten vom „Mommse“ entfernt liegt. Mit dem vierten Austragungsort scheint die Berliner Hertha nicht so richtig glücklich zu werden, dafür verzückt das Olympiastadion beim Pokalfinale jedes Jahr rund 75 000 Zuschauer. Auf dem Gelände rund ums Olympiastadion befinden sich weitere Stätten, u. a. der Glockenturm, der wohl die beste Sicht aufs Stadion bietet.

An diesem Ort endet die olympische Fußball-Route, muss sie aber nicht. Allein für unsere Hauptstadt bietet unsere Liste viele weitere Orte, die vom Berliner Fußball Verband initiierte Fußball-Route Berlin ➚

führt zu 40 authentischen Orten im Stadtraum, macht die einzigartige Fußballgeschichte der Hauptstadt erfahrbar und informiert über sport-, kultur- und stadthistorische Zusammenhänge.

Wer den Schwerpunkt auf die Olympischen Spiele 1936 legen möchte, kann sich auf den Seiten der DKB-Stiftung ➚ über einen Besuch in Elstal und eine Führung durch das Olympische Dorf informieren.

Anschriften:

Bierbrunnen an der Plumpe: Behmstraße 3, 13357 Berlin

Poststadion: Lehrter Str. 59, 10557 Berlin

Mommsenstadion: Waldschulallee 34-42, 14055 Berlin

Olympiastadion: Olympischer Platz 3, 14053 Berlin